Reifegradmodelle für Industrie 4.0 im Überblick

Gepostet von Benedikt Dirscherl am 26. November 2018 10:33:35 MEZ

Tags: Industrie 4.0, Digitalisierung, Digitale Transformation

Industrie 4.0 ist und bleibt aktuell. Immer mehr Firmen nehmen an der digitalen Transformation teil. Verfolgt man die Ansätze der Firmen und versucht die Strategien dahinter zu verstehen, zeigen sich zwar nachvollziehbare Unterschiede im Vorgehen zwischen großen und kleinen Unternehmen, aber dennoch steht am Ende häufig eine Erkenntnis: Strategien? Fehlanzeige!

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Auf Schulungen und Messen taucht häufig die Frage nach DER EINEN Industrie 4.0 Strategie auf. Bereits hier zeichnet sich das Grundproblem ab, das die Digitalisierungsaktivitäten vieler Unternehmen scheitern lässt. Man sieht in Industrie 4.0 etwas, „das man mal macht“. Die „Strategie“ dahinter besteht oftmals darin, die Technologiebrille aufzusetzen und in möglichst viele Buzzword Technologien zu investieren, um am Ende behaupten zu können: „Wir machen Big Data oder Internet of Things.“ Dabei bleibt vor allem ein Punkt häufig auf der Strecke: Was ist bereits im Unternehmen vorhanden und wie können wir dies nutzen?

Genau dieser Punkt impliziert, dass es die perfekte Industrie 4.0 Standardstrategie für jedes Unternehmen nicht gibt. Eine erfolgreiche Industrie 4.0 muss vielmehr individuell für jedes Unternehmen kreiert werden und beginnt immer mit der Analyse, was bereits vorhanden ist.

Doch wie lässt sich der Status Quo oder der digitale Reifegrad im Unternehmen bestimmen? Auch hier gibt es nicht das eine wahre Modell. Aber Forschungs- und Industrieverbände, Unternehmen und Universitäten haben eine Vielzahl an guten Modellen – manche mehr, manche weniger komplex - entwickelt, welche einen Anhaltspunkt geben, wie weit ein Unternehmen in der digitalen Transformation bereits ist.

Wir stellen Ihnen im Folgenden die interessantesten kurz vor:

1. Industrie 4.0-Readiness-Modell (Impuls Stiftung des VDMA)

Dieses Modell bietet einen Online-Selbst-Check an, in welchem die Unternehmen auf Grundlage von vielschichtigen Fragen zu sechs Industrie 4.0 Dimensionen ihren digitalen Status Quo analysieren können.

Unter dem Strich steht am Ende eine Einteilung in 5 Stufen vom „Außenstehenden“ bis zum Exzellenz Betrieb.

https://www.industrie40-readiness.de

 

2. Der Industrie 4.0 Werkzeugkasten (VDMA)

Der „Werkzeugkasten“ ist vor allem als Orientierungshilfe für kleine und mittelständische Betriebe gedacht um ihre bestehende technologische Infrastruktur zu analysieren.

Der Werkzeugkasten unterteilt sich in die zwei Dimensionen Produkte und Produktion. In jeder der Dimensionen werden verschiedene Anwendungsebenen von Industrie 4.0-Ansätzen bei Produktinnovation und produktionsbezogenen Anwendungen in einzelne erreichbare Entwicklungsstufen zerlegt. Pro Anwendungsmöglichkeit sind fünf gut nachvollziehbare Entwicklungsstufen erreichbar. Jede Entwicklungsstufe unterliegt bestimmen Kriterien, weshalb sich dieses Modell auch gut für Workshops eignet.

https://industrie40.vdma.org/documents/4214230/5356229/VDMA_Leitfaden_I40_neu.pdf/762e5ad4-978a-4e4a-bece-47fac3df4a86

 

3. Industrie 4.0 Maturity Index (Acatech)

Dieses Reifegrad-Modell, welches aus einer Kooperation der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und dem Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. an der RWTH Aachen entstanden ist, gehört zu den komplexesten der gängigen Reifegradmodelle.

Es erfasst den betrieblichen Status Quo von Industrie 4.0 unter Berücksichtigung des gesamten Wertschöpfungsprozesses im Unternehmen. Ziel des Modells ist es, eine Grundlage für eine individuelle Industrie 4.0 Roadmap für Unternehmen schaffen. Der Maturity Index fokussiert dabei die Aktivitäten Produktion, Logistik, Verkauf, Marketing sowie Forschung und Entwicklung.

Der Maturity Index ist um eine sechsstufige Entwicklungs-Skala aufgebaut, welche Computerisierung, Konnektivität, Sichtbarkeit, Transparenz, Prognosefähigkeit und Adaptierbarkeit umfasst. Jede Entwicklungsstufe soll einen Nutzenzuwachs versprechen. Der Prozess und die Prinzipien der Reifegradbestimmung mit dem Maturtiy Index gestalten sich jedoch äußerst komplex und langwierig und lassen sich kaum ohne Hilfe der Erfinder durchführen. Wer bereit ist, ausreichend Zeit und finanzielle Mittel zu investieren, wird am Ende mit einer Status-Quo Analyse und einer detaillierten Roadmap für sein Unternehmen belohnt.

https://www.acatech.de/wp-content/uploads/2018/03/acatech_STUDIE_Maturity_Index_WEB.pdf

 

4. Pathfinder i4.0 (Innovationszentrum für Industrie 4.0)

Mit dem Pathfinder i4.0 bietet das Innovationszentrum für Industrie 4.0 eine ausbalancierte Mischung aus Tiefe, Komplexität und Praxisorientierung an. Der Pathfinder i4.0 basiert auf den vier Hauptdimensionen Management & Leadership, Organisation & HR, Technologie & Infrastruktur sowie Marktbewusstsein & Wahrnehmung. Während viele Modelle bei der Bestimmung des Reifegrads auf Einschätzungen von Management und Abteilungsleitern zurückgreifen, startet der Pathfinder mit einem kurzen fragenbasierten Online Self-Assessment bei dem jeder Mitarbeiter anonym teilnehmen und seine Wahrnehmung für seinen Fachbereich einbringen kann. So entsteht bereits zu Beginn ein umfassender erster Eindruck und Stärken und Schwächen werden sichtbar. Erst dann folgt eine detaillierte vor Ort Analyse mit Führungskräften in einem Workshop-Format. Auf der dritten Stufe findet die Entwicklung einer integrierten Industrie 4.0 Roadmap statt. Hierbei legt das Unternehmen großen Wert darauf, dass diese Roadmap nicht nur fundiert und praxisorientiert, sondern auch akzeptiert ist. Bei der Roadmap handelt es sich im Gegensatz zu vielen anderen Roadmaps nicht um ein finales Dokument, sondern vielmehr um ein Arbeitsdokument, welches auf Basis eines agilen Prozesses umgesetzt und angepasst werden kann.

Im Gesamtpaket liefert der Pathfinder somit ein umfassendes Bild des digitalen Status Quo ab und bietet darauf aufbauend die Möglichkeit konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

https://www.i40.de/beratung/pathfinder-i40